«Auch die Ursachen des Klimawandels angehen:» GLP fordert Verbot von neuen Öl- und Gasheizungen im Aargau -AZ
Mitten in der Hitzewelle lancieren die Grünliberalen eine Forderung für den Winter. Neue fossile Heizungen sollen im Aargau nicht mehr erlaubt sein, bestehende Öl- oder Gasanlagen müssten bis 2040 ersetzt werden. Vor drei Jahren wurde das Verbot im Grossen Rat abgelehnt – auch jetzt ist rechtsbürgerlicher Widerstand absehbar.
Kürzlich war Gian von Planta auf einer Bergtour am Tödi und stellte fest, wie rasch sich der Gletscher zurückzieht. «Bei jedem Schritt die Klimaerwärmung dermassen deutlich zu spüren und zu sehen hat mich schon bedrückt», schreibt der GLP-Grossrat in einem Beitrag auf Facebook. «Trotzdem, die Tour und die Natur waren wunderschön – arbeiten wir daran, dass es möglichst so bleibt.»

Gian von Planta bei einer Bergtour im Tödi-Gebiet – der GLP-Grossrat will Öl- und Gasheizungen im Aargau verbieten.
Nicht nur in den Bergen zeigen sich die Folgen der Hitze, wie die GLP schreibt. «Dieser Sommer hat dem Aargau vor Augen geführt, was Klimaerwärmung bedeutet: Rekordtemperaturen, aussergewöhnlich viele Hitzetage sowie extreme Trockenheit und Wassermangel.»
Für die Grünliberalen ist klar: «Es braucht unbedingt Massnahmen, um die Folgen des Klimawandels abzufedern.» Nötig seien unter anderem Klimaanlagen in Schulen, regionale Wasserversorgungskonzepte, Schwammstädte und Städte mit mehr Bäumen und kühlen Zonen. Dazu gibt es mehrere Vorstösse, die vor den Sommerferien eingereicht wurden.
Ölheizungsverbot wurde vor drei Jahren klar abgelehnt
«Aber wir müssen auch die Ursachen des Klimawandels angehen», schreibt die GLP. Dafür holt die Partei eine alte Forderung aus der Schublade: ein Verbot für neue Öl- und Gasheizungen. Vor gut drei Jahren, im April 2023, scheiterte das Anliegen im Grossen Rat klar: 44 zu 89 lautete das Resultat, SVP, FDP und Mitte waren geschlossen dagegen.
«Vor drei Jahren wurde diese Forderung abgelehnt. Heute sehen wir noch viel deutlicher, wohin uns das Zögern führt», lässt sich von Planta zitieren. «Die Frage ist deshalb auch eine politische: Wie viele Rekorde und wie viele Warnsignale braucht es, bis wir handeln?» Man dürfe nicht so tun, «als könnten wir einfach weitermachen wie bisher.»

Installateure tragen Teile einer Ölheizung aus dem Keller – geht es nach der GLP, dürfte sie im Aargau nicht durch eine fossile Anlage ersetzt werden.
Deshalb erneuert die Partei ihre Forderung, dass beim Ersatz einer Heizung keine fossilen Systeme eingebaut werden dürfen und bestehende Öl- oder Gasheizungen bis 2040 durch erneuerbare Lösungen ersetzt werden. Eingereicht wird der Vorstoss am 25. August, in der ersten Sitzung des Kantonsparlaments nach den Sommerferien.
Die GLP weist darauf hin, dass Gebäude rund 20 Prozent der CO₂-Emissionen im Aargau verursachen. In diesem Bereich habe der Kanton konkrete Handlungsmöglichkeiten mit eigenen Vorschriften, erläutert die Partei. Verkehr, Industrie und Landwirtschaft seien hingegen «in vielen Bereichen stark durch nationale Rahmenbedingungen geprägt».
Zudem sei ein Ausstieg aus fossilen Heizungen nicht nur eine Klimaschutzmassnahme, argumentieren die Grünliberalen. «Er schafft auch Planungssicherheit für Hauseigentümer, reduziert die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten und stärkt die regionale Wertschöpfung durch Investitionen in erneuerbare Heizsysteme und das lokale Gewerbe.»
Gesetz verlangt nur 10 Prozent erneuerbare Energie
Seit April 2025, also seit rund anderthalb Jahren, ist das neue Aargauer Energiegesetz in Kraft. Neu dürfen bei einer neuen Öl- oder Gasheizung nur noch 90 Prozent des bisherigen Wärmebedarfs mit fossilen Brennstoffen gedeckt werden. Ein paar Monate zuvor, im Oktober 2024, kam der Regierungsrat in einem Bericht zum Schluss, der Ersatz von Verbrennungs-Heizungen in Wohngebäuden gehe zu langsam.Jeanine Glarner, FDP-Grossrätin und Präsidentin des Hauseigentümerverbands, ist gegen ein Ölheizungsverbot.
FDP-Grossrätin Jeanine Glarner, die auch den Hauseigentümerverband präsidiert, kam mit eigenen Berechnungen zum gegenteiligen Schluss. Glarner war vor drei Jahren auch eine der entschiedensten Gegnerinnen der GLP-Forderung für ein Öl- und Gasheizungsverbot. Dies sei der falsche Weg und nicht nötig, um die Energie- und Klimaziele zu erreichen, sagte die Freisinnige damals.




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